Mal ehrlich gefragt: Wer hält die momentane Weltlage noch für normal und produktiv im Sinne des Gemeinwohls und des wirtschaftlichen Fortschritts? Wer kann der so offensichtlichen Irrationalität US Amerikas als Addition zu den normalen Verrücktheiten der Welt noch etwas Gutes abgewinnen außer vielleicht der Standardspruch, das “Unterbrechungen des Gewohnten” auch mal gut sein kann? Aber dann, zu welchen Kosten?
Interessant ist, dass Menschen auf eine solche chaotisch und nicht abzusehende Zukunft ganz unterschiedlich reagieren.
Im politischen Bereich sehen wir vermehrt Aussitzen, Wegschauen, Schönreden oder so diplomatisch sein, das es bereits die Schmerzgrenze überschritten hat.
Wie sehen klar die Versäumnisse im Bereich von staatlicher Eigenständigkeit in ganz Europa und auch der EU, deren Regelwerk vermehrt ganz klar gegen europäische Interessen eingesetzt wird.
Und wir sehen das “Kaninchen vor der Schlange” Bild, wenn es in Deutschland um die Auseinandersetzung mit den faschistisch nationalen Kräften am rechten Rand geht. Irgendwie scheint Deutschland die Lektion von 1933 nicht ganz verstanden zu haben. Und nicht nur innenpolitisch.
Im Bereich der Bevölkerung fällt mehr und mehr auf, dass Rechtsstaatlichkeit und Gesetze relativiert werden und das Bauchgefühl triumphiert. Die eigene Gefühlslage wird zum Gradmesser für richtig und falsch. Unterlegt durch das ewige Scrollen von oft zielgerecht manipulierten Videoclips und verstärkt durch einen unsichtbaren Algorithmus, der zielgenau bereits vorhandene Emotionen verstärkt, zersetzt sich langsam was Demokratie ausmacht und nähert sich dem Peter Thiel’chen auto-technokratischen Gesellschaftsentwurf, garniert mit MAGA und absurd-religiösen Fantasien. Gerade auch in Deutschland ist die Frage der Rolle und Finanzierung von NGOs Teil einer öffentlichen Debatte.
Man mag dies alles anders sehen und bewerten, aber Einigkeit herrscht sicherlich, dass wir in einer Zeit der Transformation und massiven Veränderungen leben, die durch den Advent von AI rasante Geschwindigkeit aufgenommen hat.
Für Wirtschaft und Industrie sind das auch sehr unsichere Zeiten, so auch für Schulen und Trainingsinstitute, die konstant ihr Lehr- und Lernmaterial anpassen müssen. Es sind auch schwierige Zeiten für NGO’s, die ebenfalls unter dem weltpolitischen Chaos leiden. Und es ist nicht nur die Frage von finanziellen Unsicherheiten als Folge von Einbrüchen im Fundraising; es ist auch und zunehmend die Frage der Zuverlässigkeit von Partnern, die ihre eigenen Herausforderungen haben.
NGOs sind Entrepreneure ‘in their own rights”. Sie sind oft in der Lage, unkompliziert und mit Bodenhaftung Situationen zu analysieren und zu verbessern. Sie sind im besten Sinne des Wortes Partner für Politik und Wirtschaft; vorausgesetzt, das Wirtschaft NGOler nicht als “Gutmenschen” ansieht und NGOs wiederum Wirtschaft nicht “Cash-Cow only”.
NGOs, richtig aufgesetzt, sind nachhaltig arbeitende Organisationen, auf unterer und mittlerer Ebene verwurzelt und damit in ihrer Nachhaltigkeit ideale Partner, die aufklären, zuarbeiten, überbrücken und innovativ tätig sein können.
In vielen Teilen der Welt sind NGOs gerade wegen ihrer Bodenständigkeit glaubwürdig. Sie sind oft Anwälte für die Nöte der einfachen Menschen und dienen als Brückenfunktion zwischen Welten, die oft sonst nur mit Schwierigkeiten miteinander kommunizieren können. Sie werden damit oft zu Dolmetschern und Inspiration-Gebende für die verschiedenen Seiten von Politik, Wirtschaft und dem, was das ‘normale’ Leben in den verschiedensten Gesellschaftsschichten ausmacht. Natürlich können NGOs auch als Smoke-Screen für Politik oder Wirtschaft herhalten. Aber es ist weltweit noch eher die Ausnahme als die Regel; allerdings gibt es ein Auge auf die Entwicklung in diese Richtung zu haben.
NGOs leben von Kooperationen, sie sind deshalb von Natur aus offen für Partnerschaften und Ideen, die nicht unbedingt der DIN-Norm entsprechen. Sie sind oft flexibel und auch schneller als es Bürokratie ansonsten erlaubt. Damit sind sie näher am Leben und an konkreten Situationen. Sie sind Orte, wo gesellschaftliche Entscheidungsträger die Möglichkeit eines Realitätschecks haben.
NGOs haben eine wichtige Rolle in Demokratie und Gesellschaft zu spielen. Sie sind, je nach Fachgebiet, Einsatzort und auch Größe, oft national und international verbunden. Zusammen mit sozialen und wirtschaftlichen Kräften haben sie die Möglichkeit, das Narrativ u.a. auch in Fragen von Zuwanderung und Migration zu beeinflussen und den Zeitgeist realitätsgerecht einzunorden. Sie sind einer der Motoren einer gerechteren Welt, von denen Politiker immer sprechen und die die Kirchen versprechen.
Gerade in den Turbulenzen der jetzigen Weltlage sind NGOs unverzichtbar – sei es im Nahen Osten, in Osteuropa oder den USA wo sie oft zwischen den Fronten stehen. Sie werden weiter unverzichtbar bleiben in einer Welt, die mit immer mehr technischem Fortschritt vieles hinter sich lässt, was den Menschen sinnvoll leben lässt. Denn im Endeffekt geht es beim Fortschritt nicht um immer mehr und mehr für immer weniger Menschen, sondern um sinnvolles Leben und Arbeiten für alle.

