God, AIDS, Africa & HOPE

Reflections / Gedanken

Warum Afrika – wir haben doch genug eigene Sorgen…

“Warum Afrika”?- so schallt es mir öfters entgegen, wenn ich die Arbeit von HOPE Cape Town vorstelle. Vorgestern in Bitburg im Gymnasium, wo ich 1979 Abitur gemacht habe, habe ich im Austausch mit den Schüler und Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe mit der Frage beschäftigt, warum es Menschen in Bitburg, der Perle der Südeifel, interessieren soll, was am untersten Ende von Afrika passiert.

“Wir haben eigene Probleme: der Ukrainekrieg, die vielen Flüchtlinge, die Wirtschaftslage, das Klima” – das, so wird mir gesagt, “ist doch momentan für uns wichtiger als Südafrika.”

Die Gefühlslage stimmt – und Corona und die Erfahrung der Ohnmacht in der Pandemie sowie die oft als überzogen gefühlten staatlichen Maßnahmen während der Zeit haben die Ängstlichkeit und Unsicherheit vieler Menschen massiv gesteigert. Vielen war in Covid-19 Zeiten der Fußboden des eigenen Sicherheitsgefühls weggezogen worden; das hat Langzeit-Konsequenzen.

Aber Gefühl ist nicht immer die ganze Realität – und es scheint schwierig zu sein, die Komplexität des Lebens und der Abhängigkeiten voneinander weit über Grenzen und Entfernungen hinweg zu verstehen.

Nehmen wir die Flüchtlingsfrage: weit vor 2015 war jedem, der es wissen wollte, klar, dass Europa ein Problem haben wird, das mit der Klimaproblematik sich noch massiv verschärft. Krieg, Hunger, aber auch die einfache menschliche Regung nach mehr Sicherheit, Wohlstand, und dass die Kinder es besser haben sollen, drängen Menschen auf die Flucht oder die – oft vermeintliche – Reise in eine bessere Zukunft. Daraus ist auch ein hochattraktives Geschäft geworden, das Schleppern und Schleusern, aber auch Sicherheitsfirmen massive Gewinne verspricht. Und das zum politischen Spielball – siehe z.B. Ungarn oder Türkei – wird und zum Faustpfand für Entscheidungsfindungen in der EU und darüber hinaus.

Menschen bleiben dann zu Hause, wenn es friedlich ist und es eine Chance zum dezenten Leben gibt. Keiner machts sich aus Spaß auf eine ungewisse Reise, oder weil es gerade mal lustig ist. Auch blanke wirtschaftliche Not ist ein ernster Grund für Menschen.

Ich habe nicht den Eindruck, dass nach 2015 sich z.B. in Deutschland wirklich viel geändert hat in dieser Frage. Die Entwicklungspolitik hat sich nicht wirklich grundlegend geändert. Und eine Politik, die zunehmend aus Berufspolitikern besteht – oft dadurch entfernt von den Realitäten der Menschen – und deren Denkzyklus die Zeit bis zur Wiederwahl ist – eine solche Politik kann die Komplexität im Sinne eines Zukunftsentwurfs nicht bewältigen. Vielleicht muss man auch darüber nachdenken, wie in einer so rapide veränderten und sich verändernden Welt Politik anders strukturiert werden sollte. Und ob man sie Berufspolitikern anvertraut, die teilweise noch nie einen Beruf erlernt und ausgeübt haben.

Zurück zur Frage, warum Menschen in Bitburg, oder sagen wir in Deutschland, sich dafür interessieren und starkmachen sollen, was in Afrika passiert?

Die Massenflucht von Menschen wird nicht aufzuhalten sein, wenn Gelder über die Regierungen in Afrika fließen, die ihren “Cut” nehmen und deren korruptes Handeln bekannt und fast schon eingeplant wird.
Das Problem der Flüchtlinge wird sich nicht lösen lassen, solange Wirtschaft meist zum Vorteil von Europa gesehen wird und die Werteschöpfung nicht auf dem afrikanischen Kontinent passiert.

Afrika wird 2050 die jüngste Bevölkerung haben – und damit wird Konsum und Arbeit auf diesem Kontinent stattfinden. Wir stehen nicht nur beim Klima, sondern auch bei der Zukunft der Weltbevölkerung, bei der Zukunft der Arbeitsverteilung und Gewichtung vor massiven Umwälzungen, die Menschen in Europa jetzt in den Blick nehmen müssten, damit es in 30 Jahren nicht wieder heißt, das habe keiner kommen sehen. Der “Run” europäischer Politiker auf grünen Wasserstoff aus Afrika zeigt, wo hin die Reise geht. Die wirtschaftliche Abgeschlagenheit vieler afrikanischer Länder wird nun zum Vorteil, wenn es um erneuerbare Energien geht.

Von daher alleine schon ist Afrika wichtig. Und auch Südafrika, das immer noch ein gewichtiger Spieler in afrikanischer Politik ist und oft als Tor zu Afrika auch wirtschaftlich genutzt wird. Nur ganz nebenbei sei erwähnt, dass Südafrika Flüchtlinge von Somalia bis Zimbabwe bei sich aufgenommen hat. Wer sich die Zahlen der Binnenflüchtlinge in Afrika anschaut, der weiß, wie kritisch die Lage ist und wie wenige Flüchtlinge eigentlich in Europa ankommen.

Es sind tektonische Verschiebungen, die auf uns als Menschheit, als Gesellschaften zukommen, und nicht über den eigenen Tellerrand zu schauen, nur lokal oder national zu denken – auch wenn das jetzt momentan “in” ist, ist einfach kurzsichtig und wird die Probleme im eigenen Land noch mehr verschärfen. Niemand ist eine Insel, niemand kann es alleine: Klima, Hunger, Krieg, Altersstrukturen in einem Land und so vieles mehr bedürfen globaler Lösungen.

Heruntergebrochen und vereinfacht ausgedrückt: Wir als Menschheit, als Gesellschaft müssen es schaffen, dass Reichtum, Wertschöpfung, Sicherheit und eine Zukunftsperspektive in jedem Land (in Afrika sind es 54 Länder auf 30 Millionen Quadratmetern) gegeben ist. Das schaffen wir nur im Verbund und mit einer Ehrlichkeit und Kooperationsbereitschaft, die zurzeit sicherlich ausbaufähig ist. Südafrika ist dabei eines der Länder, das beispielhaft vorangehen könnten. Weitsichtig ist gefragt, und eine Solidarität, die letztlich auch demjenigen oder derjenigen dient, der oder die sie ausübt. Afrika ist ein Kontinent der Zukunft, und Europa sollte seine Politik daran ausrichten. Und NGO’s sind dabei wichtige Anknüpfungspunkte, weil sie auf einer Ebene arbeiten, die es Entscheidungsträgern ermöglicht, Realitäten zu sehen und zu verstehen. Sie leisten oft sehr punktuell, aber entscheidende Grundarbeiten, auf der dann Gesellschaft und Politik weiter bauen können. Unterstützung von NGO”s in Afrika ist weit mehr als Charity; es dient auf Zukunft gesehen der Sicherheit und dem Frieden aller, auch und gerade in Europa.

Damit es zu einer solchen verständnisvollen Solidarität kommt, müsste auch die Nachrichtenwelt objektiv berichten und den “fake news’ ein Ende bereitet werden, aber darüber zu reflektieren bedeutet ein “weiteres Fass aufzumachen”.

HIV, Development and HOPE – thoughts of a Catholic priest

Unknown's avatarBeing a Roman - Catholic priest and working in the fields of HIV and social development in Africa has its challenges. You will find stories and reflections about my work, about the church, South Africa and Africa, about politics and whatever triggers my interest. You are most welcome to leave a comment or to get in touch with me. Blogging means to initiate thoughts and discussions and for the writer to formulate what is loosely running around in the heart and mind in need of being sorted and spoken out.

Follow God, AIDS, Africa & HOPE on WordPress.com

Archives

You can share this blog in many ways..

Bookmark and Share

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Join 2,711 other subscribers

Translation – Deutsch? Française? Espanol? …

The translation button is located on each single blog page, Copy the text, click the button and paste it for instant translation:
Website Translation Widget

or for the translation of the front page:

* Click for Translation

Copyright

© Rev Fr Stefan Hippler and HIV, AIDS and HOPE.
Unauthorized use and/or duplication of this material without express and written permission from this blog’s author and/or owner is strictly prohibited. Excerpts and links may be used, provided that full and clear credit is given to Rev Fr Stefan Hippler and HIV, AIDS and HOPE with appropriate and specific direction to the original content.

This not withstanding the following applies:
Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License.